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"Wir müssen jetzt nach vorne blicken" - Interview mit Bürgermeister Heinz-Peter Hopp zum Jahresauftakt

„Wir müssen jetzt nach vorne blicken“
 
Interview mit Bürgermeister Heinz-Peter Hopp zum Jahresauftakt
 
Herr Hopp, eigentlich hätten Sie in diesen Tagen zum Neujahrsempfang geladen. Die Corona-Pandemie machte dieser schönen Tradition einen Strich durch die Rechnung. Das hätten Sie sich sicherlich anders gewünscht.
Auf jeden Fall, schließlich ist bei diesem Empfang gerade auch der persönliche Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern ein ganz wesentliches Element. Hier kommt man zwanglos ins Gespräch und tauscht sich über alles Mögliche aus. Zugleich ist der Empfang immer auch ein von den Musikvereinen unserer Stadt gerne genutztes Podium. Es ist also sehr schade, dass wir auf dieses Highlight zu Beginn eines Jahres verzichten mussten.
 
Wie haben Sie denn persönlich das Jahr 2020 erlebt?
Nach einem euphorischen Start sind wir alle in einem bislang nicht gekannten Ausmaß ausgebremst worden. Wie in meinem Weihnachtsbrief schon ausgeführt, hat uns das Jahr 2020 vor Augen geführt, wie verletzlich wir Menschen trotz aller medizinischen und technischen Fortschritte sind. Schmerzlich war für mich vor allem auch, dass in meinem Bekanntenkreis Menschen coronabedingt verstorben sind und dabei ein würdevoller Abschied oftmals nicht möglich war.
 
Zahlreiche Veranstaltungen sind ja ebenfalls dem Virus zum Opfer gefallen.
Leider ja. Wie gerne hätten wir zum Beispiel das Fauststadtfest, das 40-jährige Jubiläum des Faustmuseums oder das Fest zum 100. Geburtstag des Fußballvereins Knittlingen gefeiert. Aber es nützt überhaupt nichts, diesen Entfall zu bejammern. Vielmehr müssen wir jetzt nach vorne blicken, denn es kommen auch wieder bessere Zeiten.
 
Wofür konnten Sie 2020 die Weichen stellen?
Für eine ganze Menge von Projekten. Trotz der widrigen Umstände konnten wir in Knittlingen im vergangenen Jahr wieder einiges bewegen. Neben der Einweihung des Erweiterungsbaus im Katholischen Kindergarten Sonnenschein nenne ich als Stichworte hier nur den Erwerb eines Grundstücks in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kindergarten Esselbachstraße, die Sanierungsarbeiten an der Dr. Johannes-Faust-Schule sowie vorbereitende Maßnahmen etwa im Hinblick auf die Breitbandversorgung, die Wohnbebauung auf dem ehemaligen Neumo-Gelände oder die Neugestaltung des rund 1,9 Hektar großen Areals rund um den früheren Bauhof.
 
Was die Innenstadtentwicklung anbelangt, dürfte es 2021 auch beim Sanierungsgebiet „Historische Altstadt“ einen großen Schritt nach vorne gehen.
Absolut, auch hier werden wir in diesem Jahr Nägel mit Köpfen machen. Die Sanierung des Faust-Geburtshauses sowie der Alten Kelter steht ebenso an wie die Neugestaltung des gesamten Außenbereichs, um das historische Zentrum unserer schönen Fauststadt noch mehr mit Leben zu füllen. Derartige Projekte sind nicht nur wichtig, um Touristen nach Knittlingen zu locken, vielmehr profitieren davon auch die Einzelhändler, die mehr denn je ein möglichst lebendiges Umfeld benötigen und die wir stärken müssen – erst recht nach der hoffentlich bald überwundenen Pandemie.
 
Wie sieht denn der Zeitplan beim Faust-Geburtshaus im Detail aus?
Mit den ersten kleineren Arbeiten im Gebäude ist es bereits im Dezember losgegangen, Stand heute beginnen die notwendigen Erd- und Rohbauarbeiten in der zweiten Februarhälfte, bis Ende Juli sollten wir damit durch sein. Die Außenarbeiten beginnen Anfang Juli und dauern bis Mitte März 2022, für den Innenausbau ist eine Zeitspanne von Mitte September 2021 bis Mitte Juni 2022 vorgesehen. Die Fertigstellung aller Arbeiten ist für den 15. Juli 2022 vorgesehen, in der Woche darauf ist die offizielle Eröffnung geplant. Bis dahin gibt es viel zu tun, ich freue mich aber schon jetzt auf diesen weiteren Meilenstein in unserer Innenstadtentwicklung.
 
In wenigen Tagen starten auch die ersten Abbruch- und Baufeldvorbereitungen für die Sanierung des Freibades in Knittlingen. Wann kann man hier wieder das erfrischende Nass genießen?
2021 wird es damit verständlicherweise nichts, schließlich ist auch hier die Liste der auszuführenden Arbeiten sehr umfangreich. Die Gründungs- und Rohbauarbeiten werden Stand heute Anfang September abgeschlossen sein, die Ausbauarbeiten dauern von Anfang Oktober bis Ende März 2022, die Arbeiten an den Grünflächen sollten Ende Mai 2022 beendet sein. Je nach Wetterlage wollen wir spätestens zu den Pfingstferien 2022 wieder die ersten Badegäste begrüßen dürfen.
 
Wo wir schon bei der Freizeitgestaltung sind. Wie ist der Stand der Dinge bei der Fest- und der Sporthalle?
Nachdem die getroffenen Maßnahmen im Hinblick auf Standsicherheit und Brandschutz gutachterlich geprüft worden sind, kann die Festhalle ab Anfang/Mitte Februar grundsätzlich wieder für den Betrieb freigegeben werden. Leider lässt Corona aktuell aber noch keine Hallennutzung zu. Sollte sich die Lage wieder normalisieren, ist allerdings auch dann nur ein eingeschränkter Betrieb möglich. Soll heißen: Eine Genehmigung besteht nur für den Schul- und Vereinssport mit maximal 30 Personen, private Feste und Vereinsfeierlichkeiten sind nicht erlaubt. Nutzen können wir die Festhalle lediglich bis 2023, für die Zeit danach müssen wir rechtzeitig eine Ersatzlösung finden. Was die Sporthalle in unmittelbarer Nachbarschaft zur Faustschule anbelangt, erfolgt die Sanierung in diesem Jahr – hierfür werden Kosten in Höhe von 850.000 Euro in den Haushaltsplan 2021 eingebracht.
 
Was wünschen Sie sich für 2021?
Dass wir die Pandemie in den Griff bekommen und wir bis dahin so wenig Infizierte, Schwerkranke oder Todesfälle wie möglich beklagen müssen. Die nächsten Wochen werden wir zwar noch mit kräftigen Einschränkungen leben müssen. Aber je mehr Menschen geimpft sind, desto besser wird die Lage. Die momentane Situation ist zum Teil sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass es offensichtlich immer noch Menschen gibt, die den Ernst der Lage nicht erkannt haben und meinen, sich nicht an die geltenden Regeln halten zu müssen. Das ist erschreckend und beschämend zugleich. Insgesamt hoffe ich, dass die Wirtschaft mit einem blauen Auge aus der Corona-Pandemie hervorgeht. Unter den aktuellen Maßnahmen leiden insbesondere der Einzelhandel, die Gastronomie und die Kultureinrichtungen. Bund und Länder sind hier gefordert, den Betroffenen mit finanziellen Hilfen unbürokratisch unter die Arme zu greifen und es nicht nur bei Ankündigungen zu belassen. Gegenüber der momentanen Verfahrensweise gibt es hier noch viel Verbesserungspotenzial. Das muss jetzt alles sehr schnell gehen, sonst werden wir unsere Innenstädte bald nicht mehr wiedererkennen. Für Knittlingen im Besonderen wünsche ich mir unter anderem, dass so bald wie möglich wieder viele persönliche Begegnungen möglich sind und das städtische Leben wie auch die vielen Vereinsaktivitäten wieder so aufblühen, wie es vor Corona der Fall war.

Die Arbeiten am Faust-Geburtshaus gehen voran. BM Hopp besuchte vor wenigen Tagen die Baustelle.
Die Arbeiten am Faust-Geburtshaus gehen voran. BM Hopp besuchte vor wenigen Tagen die Baustelle.