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Stadt Knittlingen (Druckversion)

Besuch 2013

90köpfige Knittlinger Delegation, mit Unterstützung des Programms Europa für Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, zu Besuch in Andalusien: bestehende Freundschaften vertieft und viele neue Freunde gewonnen

Bürger aus Benaoján bei der Prozession zu Ehren des Heiligen San Marcos
Bürger aus Benaoján bei der Prozession zu Ehren des Heiligen San Marcos

"Unsere Freunde sind uns immer gerne willkommen", mit diesen Worten wurde die Knittlinger Delegation nach einigen überaus erlebnisreichen und eindrucksvollen Tagen in den beiden südspanischen Gemeinden Benaojan und Montejaque in ihre Heimat verabschiedet. Die Knittlinger weilten nun bereits schon zum wiederholten Mal zu einem offiziellen Besuch im Hochland von Andalusien. Allerdings selten in einer solch großen Anzahl, denn dieses Mal waren es immerhin rund 90 Personen, die unter der Führung von Bürgermeister Heinz-Peter Hopp als offizielle Delegation der Stadt, als Mitglieder des Musikvereins Freudenstein und des Fußballvereins Knittlingen oder aber einfach nur aus privaten Gründen die Reise in den spanischen Süden angetreten hatte. Die meisten davon bequem per Flugzeug, lediglich zwei Musiker durften die rund 2500 Kilometer lange Strecke zusammen mit dem umfangreichen Instrumentarium per Transporter angehen, nach 23 Stunden kamen auch sie wohlbehalten ans Ziel. Der MV Freudenstein unter der Leitung ihres Dirigenten Musikdirektor Bruno Gießer war es denn auch, die nicht nur die offiziellen Anlässe musikalisch umrahmte, sondern auf dem Marktplatz von Benaojan und in der Kirche in Montejaque zusammen mit den dortigen Kapellen auch zwei gekonnte Konzerte gab und dafür mit großem Beifall bedacht wurde. Der Umzug in die Kirche war durch die unsichere Wetterlage erforderlich geworden, doch Vizedirigent Rainer Falk war darüber nicht traurig, „als sinfonisches Orchester kommt unsere überwiegend klassi-scher Literatur hier weitaus besser an“. Das sollte sich denn auch bestätigen, denn die Ouvertüre zu Verdis „Nabucco“ kam in der tollen Akustik ebenso ausgezeichnet an wie auch der Radetzky-Marsch zum frenetisch beklatschten Finale.

Für die Gäste aus Deutschland war das Frühjahr eine ideale Reisezeit, zumal hier in den rund 750 Meter hoch innerhalb der Serrania de Ronda gelegenen Bergdörfern alles grünt und blüht, während im Sommer doch alles eher braun und trocken ist, dabei bekam man dieses Mal alle Facetten der Witterung mit, von fast hochsommerlichen Temperaturen bei der Anreise am Donnerstag bis hin zu Graupelschauern und vier Grad am Sonntag. Bereits beim ersten offiziellen Empfang der Knittlinger Delegation am Freitagabend vor dem Rathaus von Benaojan wiesen die beiden Bürgermeister Francisco Gomez Gonzalez und Diego Sanchez Sanchez auf die nun schon seit nahezu 30 Jahren bestehenden engen freundschaftlichen Beziehungen hin, die unter ihrer Amtszeit weiter gepflegt und nach Möglichkeit noch vertieft werden sollen. Deshalb wollen beide auf Einladung der Stadt Knittlingen im kommenden Jahr auch dem Fauststadtfest wieder einen Besuch abstatten. Gomez Gonzales nannte in dem Zusammenhang auch die früheren Bürgermeister seiner Gemeinde und den Amtsvorgänger von Heinz-Peter Hopp, den leider all zu früh verstorbenen Otto Kübler als unermüdliche Motoren und Vorbereiter der Partnerschaft. Bürgermeister Heinz-Peter Hopp („die Reise hierher ist für mich und für alle mitgereisten Knittlingerinnen und Knittlinger immer etwas ganz besonderes, es ist eine Reise zu Freunden, die man lieb gewonnen hat“) überreichte seinen beiden Amtskollegen kleine Gastgeschenke sowie Schecks zur Unterstützung kultureller Projekte in den andalusischen Kommunen. 

Am Samstag stand die Prozession zu Ehren des Schutzheiligen San Marcos im Mittelpunkt, leider zeitgleich zum Konzert in Montejaque bewegte sich ein riesiger Zug, an dem auch einige Knittlinger teilnahmen, über mehrere Stunden lang durch Benaojan. 

Zuvor waren am Mittag die Fußballer an der Reihe, für viele angesichts der intensiven spanischen Nächte auch viel zu früh standen sich auf dem neuen Kunstrasen-Spielfeld die beiden Seniorenteams aus Benaojan und des FV Knittlingen gegenüber. Am Ende gewannen vor rund 200 Besuchern, darunter natürlich die komplette Delegation aus der Fauststadt, die im Schnitt auch etwas jüngeren Spanier mit 2:0. Sie konnten sich damit für die vor fünf Jahren zur Einweihung des Spielfeldes erlittene 2:3 Niederlage erfolgreich revanchieren. Vor dem Spiel herrschte echtes Länderspielfeeling, als der Musikverein die spanische und die deutsche Nationalhymne intonierte. Diego Sanchez Sanchez erinnerte in seiner Ansprache nochmals an die Zeit, als viele spanische Familienväter ihre Familien zurücklassen mussten, um in Deutschland Arbeit zu finden. In diesem Zusammenhang bedankte er sich bei den Knittlingern für die gastfreundliche Aufnahme seiner Landsleute ("es war für sie ein großes Glück, in einen Ort zu kommen, wo sie als Ihresgleichen behandelt wurden"), deren Weg vor zwischenzeitlich bereits schon über 50 Jahren ebenso steinig war wie die bizarre Berglan¬dschaft, die die beiden Kommunen umgibt. Bekanntlich stammen die meisten der bereits seit 1959/60 in Knittlingen ansässigen und zum Teil schon in der dritten Generation hier lebenden und größtenteils auch ihre neue Heimat gefundenen spanischen Gastarbeiter aus den beiden, etwa auf halber Strecke zwischen Malaga und Sevilla im Süden der iberischen Halbinsel gelegenen Bergdörfern Benaojan und Montejaque. Diese früheren Arabersiedlungen sind nicht zuletzt dank des Fleißes ihrer "Emigranten" in den zurückliegenden Jahren zu einem sichtbaren Wohlstand gekommen. So säumen schmucke, im maurischen Stil erbaute und weiß getünchte Häuser die malerischen Gässchen und gut ausgebauten Straßen. Umgeben von felsigem Bergland mit den typischen Pinienhainen, Oleander- und Bougainvillea-Sträuchern sowie üppig behangenen Feigenkakteen leben die Menschen, darunter auch die zwischenzeitlich zurückgekehrten und hier eine neue Existenz aufgebauten oder ihren wohlverdienten Ruhestand genießenden Ex-Knittlinger, dennoch überaus bescheiden in einem recht kargen Land. Während im knapp 1000 Seelen gro¬ßen Montejaque ausschließlich Landwirtschaft und Viehzucht (insbesondere Ziegen und Schweine) betrieben wird, verfügt Benaojan mit seinen etwas über 1700 Einwohnern auch über einige Gewerbebetriebe, wobei hier in mehreren Wurst- und Fleischfabriken vor allem die selbst gezogenen schwarzen Schweine verarbeitet und in der gesamten Region Andalusien verkauft werden. Größter Arbeitgeber mit rund 50 Bediensteten ist mit José Castano Medina ebenfalls ein ehemaliger „Knittlinger“, der in seiner Fleischfabrik wöchentlich rund 900 Schweine und 200 Schafe verarbeitet. 

Dennoch geht auch die derzeitige Wirtschaftskrise nicht spurlos an den Menschen vorbei, ebenso wie im gesamten Land liegt die Arbeitslosigkeit bei rund 25 Prozent, bei den Jugendlichen sogar bei weit über 50 Prozent. Den Hauch der großen weiten Welt verspüren die beiden Kommunen tagtäglich durch die südlich von Benaojan gelegene Station der Eisenbahn-Hauptstrecke, die von Paris über Madrid nach Algeciras führend den europäischen mit dem afrikanischen Kontinent verbindet. Diese Haltestelle fördert denn auch den in den vergangenen Jahren gewachsenen Tourismus, wobei An-ziehungspunkte vornehmlich die "Cueva de la Pileta", eine Kalkhöhle mit prähistorischen, bis zu 30.000 Jahre alten Wandmalereien sowie die "Cueva del Gato", die Kat-zenhöhle, sind. Beide liegen innerhalb des Naturparkes von Grazalema, der bereits 1977 von der UNESCO zum "biosphäri¬schen Reservat“ ernannt wurde und wo hoch über den Gipfeln der bis zu 2000 Meter hohen Kalkfelsen auch Adler und Geier ihre Kreise drehen. Die zumeist steil in die Höhe ragenden Felsen werden zwischenzeitlich auch mehr und mehr von Sportkletterern entdeckt. Neben der idyllischen Ruhe und Abgeschiedenheit schätzen die Gäste (außer den Deutschen sind dies vor allem Engländer und auch Holländer) die relativ kurzen und auch gut ausgebauten Wege zu den verschiedensten Touristikzentren. So liegt das malerische Städtchen Ronda mit der ältesten Stierkampfarena Spaniens nur runde 15 Kilometer entfernt, während beispielsweise die mondänen Badeorte Marbella und Torremolinos an der Costa del Sol, die andalusische Hauptstadt und Expo-Stadt Sevilla, Cordoba, die Provinzhauptstadt Malaga oder die Sherry-Metropole Jerez mit dem Auto bequem in ein bis zwei Stunden erreicht werden können. Die unterschiedlich langen Besuchstage der Knittlinger waren neben der Fiesta prall gefüllt mit Ausflügen, offiziellen und privaten Besuchen, wobei natürlich auch die spanischen Gastgeber die Ge¬legenheit ausgiebig nutzten, ihren Gästen Land und Leute etwas näher zu bringen. Eine ganz besondere Freude war es für die Gäste aus der Fauststadt auch immer wieder, beim Gang durch die beiden Orte oder aber bei den abendlichen Fiesta-Besuchen zahlreiche alte Bekannte begrüßen zu können, darunter auch etliche spanische Gastarbeiter, die bereits vor vielen Jahren wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. 

Offizieller Empfang vor dem Rathaus in Benaojan
Offizieller Empfang vor dem Rathaus in Benaojan
Übergabe der Gastgeschenke von Herrn Bürgermeister Heinz-Peter Hopp (mitte) und Bürgermeister Francisco Gomez Gonzales aus Benaoján (rechts)
Übergabe der Gastgeschenke von Herrn Bürgermeister Heinz-Peter Hopp (mitte) und Bürgermeister Francisco Gomez Gonzales aus Benaoján (rechts)
Platzkonzert des Musikverein Freudenstein in Benaoján
Platzkonzert des Musikverein Freudenstein in Benaoján
Kirchenkonzert des Musikverein Freudenstein in der Kirche in Montejaque
Kirchenkonzert des Musikverein Freudenstein in der Kirche in Montejaque
Fußballspiel in Benaoján
Fußballspiel in Benaoján
Paella für alle
Paella für alle
Interview von Bürgermeister Hopp mit einem Spanischen Fernsehsender
Interview von Bürgermeister Hopp mit einem Spanischen Fernsehsender
Bilderausstellung des Partnerschaftsverein vor dem Rathaus in Benaojan
Bilderausstellung des Partnerschaftsverein vor dem Rathaus in Benaojan

Partnerschaftsbesuch der Stadt Knittlingen in Andalusien – Freundschaft noch weiter vertieft - Musikverein Freudenstein und Fußballverein Knittlingen mit von der Partie – zu Gast beim San Marcos Fest in Benaojan

Rund drei Jahre nach der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden mit den beiden andalusischen Kommunen Benaojan und Montejaque im Rahmen des Knittlinger Fauststadtfestes und der anschließenden Partnerschaftsfeier in Montejaque wurde die Partnerschaft jetzt auch in der zweiten Partnergemeinde Benaojan besiegelt. Zwar nicht, wie von der Knittlinger Delegation erwartet, mit der Unterzeichnung einer weiteren Urkunde, dafür jedoch mit einer umso herzlicheren Feier im Rahmen des San Marcos Festes. Dafür war eine rund 90köpfige Delegation, mit Unterstützung des Programms Europa für Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, mit Bürgermeister Heinz-Peter Hopp, einigen Mitgliedern des Gemeinderates, der Leitung der Dr. Johannes Faust-Schule sowie der Vorsitzenden des Knittlinger Partnerschaftsvereins, Waltraut Ertner an der Spitze rund 2500 Kilometer in den Süden der Iberischen Halbinsel nach Benaojan gereist. Das dort gerade gefeierte Fest zu Ehren des Schutzheiligen San Marcos war der würdige äußere Rahmen. Die Feierlichkeiten fanden im Beisein zahlreicher deutscher und spanischer Gäste vor dem Rathaus auf der Plaza von Benaojan statt. Bei angenehmen Temperaturen bekräftigten die drei Bürgermeister Francisco Gomez Gonzales (Benaojan), Diego Sanchez Sanchez (Benaojan) und Heinz-Peter Hopp die Partnerschaft. Das Knittlinger Stadtoberhaupt erinnerte in seiner Rede nochmals daran, dass vor zwischenzeitlich über 50 Jahren die ersten Spanier der Arbeit wegen in die Fauststadt gekommen seinen (Arbeitgeber waren damals vor allem die Firmen Neumo und Pfitzenmeier & Rau). Doch daraus sei zwischenzeitlich eine schon lange andauernde Freundschaft entstanden, die 2010 in der offiziellen Partnerschaft der drei Kommunen ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Unter dem Beifall der Besucher stellte Hopp fest: „hier findet heute nicht nur spanisch-deutsche Freundschaft, hier findet Europa statt“. Die Partnerschaft solle jetzt auf vielen weiteren Ebenen ihre Fortsetzung finden, etwa im Austausch von Auszubildenden, in der Jugendarbeit, auf kulturellem und sportlichem Sektor und auch zwischen den Vereinen. In der Knittlinger Delegation befanden sich deshalb auch Heidi Bopp und Kirsten Knoll, Schulleiterin und Konrektorin der Dr. Faust-Schule. Diese ließen sich von ihren spanischen Kollegen die dortige Elementarschule mit ihren rund 180 Kindern im Alter von drei bis zu 14 Jahren zeigen und luden diese für das kommende Jahre auch zu einem Gegenbesuch in ihre Schule ein. „Vielleicht können wir eine Kooperation mit dem gegenseitigen Austausch von Schülern aufbauen“, so die beiden Pädagoginnen. Auf dem kulturellen und sportlichen Sektor funktioniert dieser Austausch bereits bestens. So war nach dem Mundharmonika-Quartett und der Stadtkapelle Knittlingen heuer der Musikverein Freudestein mit immerhin 47 Akteuren mit von der Partie und umrahmte nicht nur die offiziellen Begegnungen in Benaojan und Montejaque, sondern intonierte darüber hinaus beim Aufeinandertreffen der beiden Seniorenteams aus Benaojan und Knittlingen auch die spanische und die deutsche Nationalhymne. Das Fußballspiel endete übrigens mit einem 2:0 Erfolg und damit einer erfolreichen Revanche fuer die Spanier, nachdem die Knittlinger vor fünf Jahren zur Einweihung des neuen Kunststoff-Spielfeldes in Benaojan mit 3:2 Toren gewonnen hatten.

Schon in seiner Begrüßung, der auch zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens der Region Ronda beiwohnten, hatte Bürgermeister Francisco Gomez Gonzales auf die langjährigen freundschaftlichen, „ja schon geschwisterlichen Verbindungen“ seiner Kommune zur Stadt Knittlingen hingewiesen. „Wir wollen damit  unseren Beitrag zur Völkerverständigung und der Fortsetzung von Frieden und Freiheit in Europa leisten, sonder auch weiter am gemeinsamen Haus Europa bauen. (Bericht und Bilder: Rudolf Haller)

http://knittlingen.de/index.php?id=282